Cinéma Capitole
Lausanne
Haus des Films
Das Cinéma Capitole wurde 1928 nach den Plänen des Lausanner Architekten Charles Thévenaz, mitten im «Goldenen Zeitalter» des Kinos, erbaut. Der Saal umfasste einst mehr als 1000 Plätze, heute noch knapp 900, was das Capitole zum grössten Kino der Schweiz macht. Seit 2010 gehört das geschützte Gebäude der Stadt Lausanne, die es der Cinémathèque suisse zur Verfügung stellt, einer Institution, die sich der Archivierung und Restaurierung des filmischen Erbes der Schweiz verschrieben hat.
Die Mission der Renovation war die Erhaltung von Kulturerbe. Das Capitole sollte an die geltenden Normen angepasst, die vorhandenen historischen, architektonischen und dekorativen Elemente restauriert und ein zweiter Kinosaal gebaut werden. Der grosse historische Saal, benannt nach dem Pio-nier der Cinémathèque suisse, Freddy Buache, blieb in seiner Struktur unverändert. Im Zuge der Arbeiten wurden die Ver-kleidungen restauriert, die Decke renoviert, die Sitze ersetzt und die Balkontribünen an die geltenden Normen angepasst, um den Empfang von Personen mit eingeschränkter Mobilität und eine mobile Regie zu ermöglichen. Die Vorführkabine ist mit einem digitalen 4K-Projektor und zwei 35 mm-Projektoren ausgestattet, die auf 70 mm umgestellt werden können - eine in der Schweiz einzigartige Ausstattung. Der neue Kinosaal im Untergeschoss wurde nach Lucienne Schnegg benannt, der früheren Besitzerin des Capitoles. Er verfügt über einen eigenen Empfangsbereich mit einem digitalen Ausstellungsbereich, in dem die im Schweizer Filmarchiv aufbewahrten Bildbestände dem Publikum gezeigt werden können, sowie weitere audiovisuelle Inhalte. Die geräumige Vorführkabine ist mit einem digitalen 4K-Projektor, zwei 35 mm-Projektoren sowie einem 16 mm-Projektor ausgestattet. Der neue Saal und sein Foyer orientieren sich an den charakteristischen Elementen des bestehenden Gebäudes, wobei sie diese auf zeitgemässe Weise umsetzen. Auch befinden sich in den renovierten Räumen nun ein Café, ein Buchladen und eine Mediathek. Im Februar 2024 fand eine grosse Einweihungsfeier mit zwei Tagen der offenen Tür inklusive Vorführungen statt.
Details zum Projekt:
- Bauherrschaft: Fondation Capitole, Stadt Lausanne
- Architekten: architecum
- Kinospezialisten: LBVA Cinéma Design
- Fachplaner: MCR & Associés, TECSA, Thorsen
- Bauzeit: 3 Jahre
- Wiedereröffnung: Februar 2024
- Gesamtpreis Objekt: Fr. 21,6 Millionen
- Projektleiter A+E: Marco Eberhard
Fakten zum Cinema:
- Gesamtfläche: 2’541 m2
- Anzahl Plätze: 876
- Salle Freddy Buache 736 Plätze
- Salle Lucienne Schnegg 140 Plätze Etagen: 5
A+E durfte die zwei Kinosäle folgendermassen ausrüsten:
- Struktur und Rahmen der Projektionsleinwände
- Passepartout mit motorisiertem Masking-System
- Motorisierter Hauptvorhang
- Szenische Beleuchtung mit DMX- und ArtNET-Netzwerk
- Steuerungssystem für historische Beleuchtung/Raumbeleuchtung
- Steuerpulte für Mechanik und szenische sowie historische Beleuchtung (6 pro Saal)
Dieses Projekt hat diverse Abteilungen des Unternehmens eingebunden, vom techni-schen Büro über die Produktion, die Näherei, die Elektroproduktion, die Automation, die Logistik und die Montageteams.
Was sind Besonderheiten/Highlights des Projekts?
Dies war ein Projekt, das viel Flexibilität und schnelle Anpassung erforderte. Jede Montagewoche brachte ihre eigenen Überraschungen mit sich, die eine Anpassung des weiteren Projektverlaufs erforderlich machten. Wir mussten beide Kinos mit sze-nischer Beleuchtung ausstatten, die aus besonders leisen, motorisierten Scheinwer-fern bestand. Diese sollten sich in das Umfeld einfügen und dabei so unauffällig wie möglich bleiben, um das Kulturerbe zu respektieren.
Was waren die grössten Herausforderungen für A+E?
Die gebogene Leinwand im grossen Saal brachte viele Probleme und Einschränkungen mit sich. Direkt hinter dem Hauptvorhang des grossen Saals befindet sich ein gros-ser Rauchabzugsventilator. Unser Vorhang darf im Brandfall nicht davor sein. Um dieses Problem zu lösen, mussten wir ein Gegengewichtssystem entwickeln, das den Hauptvorhang im Notfall ohne Elektrizität bewegt. Deshalb haben wir ein System mit einem grossen Gewicht entworfen, das von einem Elektromagneten gehalten wird. Im Brandfall wird der Strom unterbrochen, das Gewicht fällt und der Vorhang bewegt sich dadurch.